Treibholz - ein Rohstoff mit Geschichte
Sabine Kühn
Beim Spaziergang am Strand oder am Ufer eines Sees finden wir sie: kleine oder große Holzteile, die einen weiten Weg hinter sich haben. Jedes Stück ist ein einmaliges Kunstwerk der Natur und erzählt seine eigene Geschichte.
Was wird als Treibholz bezeichnet?
Holz, das weite Wege übers Wasser zurückgelegt hat und schließlich an Meeresküsten oder am Ufer von Flüssen und Seen angespült wird, nennt man Schwemm- oder aber Treibholz. Dabei wird es über lange Zeit von der Natur regelrecht bearbeitet. Von der Sonne gebleicht, von Wasser und Sand geschliffen und poliert, vom Wind und den Gezeiten transportiert. Von der Rinde befreit, gibt es den Blick auf Jahresringe und Maserung frei. All das verleiht ihm am Ende das typische Aussehen. Oft schmeichelhaft weich und abgerundet, in den meisten Fällen mit grauer Färbung.
Wie vielfältig kann Treibholz sein?
Auch wenn man bei Treibholz als erstes an dieses unverwechselbare helle Holz denkt, es gibt es eine Fülle von Farben und Texturen, die das Material aufweisen kann. Je nach Holzart variiert es von hell bis dunkel, ist hart oder weich, kann schwer oder leicht sein. Auch verschiedene Lebewesen können Spuren auf ihm hinterlassen. So wie der Schiffbohrwurm, der die Holzfasern zum Fressen gern hat und kleine Löcher und ganze verschlungene Gänge in den Rohstoff bohrt. Auf manchen Stücken wiederum haben sich Seepocken niedergelassen, kleine Muscheln oder auch Pilze. Und das macht jedes Exemplar zu einem Unikat.
Welchen Ursprung hat Treibholz eigentlich?
Einen menschlichen oder natürlichen, soviel ist sicher. Aber mehr kann man kaum darüber sagen.
Entweder sind abgebrochene Äste oder ganze Bäume im Wasser gelandet. Entwurzelt von einem Sturm am anderen Ende der Welt. Es kann sich aber auch um alte Schiffsplanken, Flöße, Buhnen, Möbelstücke oder Teile von Brücken handeln. Und genau das ist daran so spannend. Wenn man sich fragt, wie diese Stuhllehne wohl im Wasser gelandet ist oder ob das Boot, von dem das Holz stammt, in ein Unwetter geraten und gesunken ist. Welchen Weg das Treibholz zurückgelegt und wie lange es dafür gebraucht hat.
Wofür kann man Treibholz verwenden?
Wenn man sich bewusst macht, was dieses ausgewaschene und ausgeblichene Stückchen Rohstoff alles erlebt haben könnte, ist der Motor der Phantasie schon angesprungen. Auch die neue Gestalt, die es angenommen hat, kann die Gedanken beflügeln und Ideen sprießen lassen. Ob zur Verzierung eines Möbelstückes, als dekoratives Element im Innenausbau oder als Highlight im Aquarium – Treibholz kann in vielen Bereichen verwendet werden. Auch als kleines Schiff mit gestricktem Segel, lachender Fisch mit glänzendem Steinauge oder Mast auf einem gemalten Boot kann es ein neues Leben beginnen.
Wo kann man Treibholz sammeln?
Küste und Strand sind die idealen Orte, um auf Schatzsuche zu gehen. Nach Stürmen oder nach der Flut hat man besonders gute Chancen, Treibholz zu finden.
Allerdings sollte man immer bedenken, dass man mit diesen Geschenken der Natur achtsam umgehen sollte. Am besten, man nimmt nur so viel Treibholz mit, wie man wirklich verwenden möchte. Die Natur und die anderen Sammler werden es einem Danken.
Auch sollte man die Regeln und Vorschriften der lokalen Behörden kennen. In manchen Naturschutzgebieten ist das Sammeln von Treibholz unter Umständen streng verboten.
Immer daran denken: es ist ein Stück Natur und es ist ein Stück Geschichte. Vielleicht ein äußerst seltenes Holz und Jahrhunderte alt.
PS: In der Pommernstube-Kreativwerkstatt lernt Ihr, Treibholz richtig gut in Szene zu setzen.
