Jahreskreisfeste - eine Einladung der Natur
Sabine Kühn
In unserer schnelllebigen Zeit geht vieles verloren. Wer nutzt noch die Gelegenheit nach Vollmond, Sonnenuntergang oder Tagundnachtgleiche zu schauen. Dabei spiegeln sie den ewigen Kreislauf von Wachsen und Vergehen wider. Und zu diesem gehören auch wir!
Keltische
Traditionen leben wieder auf
Jahreskreisfeste markieren den Zyklus der Natur. Die Kelten begingen acht dieser Feierlichkeiten im Jahr. Schließlich gaben vor 3.000 Jahren die Jahreszeiten den Rhythmus des Lebens vor. Gehandelt wurde nach Sonnenstand und Mondphase. Der Mensch war zutiefst mit der Natur verbunden, sein Überleben hing davon ab.
In den Jahreskreisfesten kam jeder Zyklus des Jahres zu seinem Recht.
Drei von ihnen wollen wir näher beleuchten.
Ostara – die Zeit des Aufbruchs
Gefeiert wird es um den 20. März herum – mal einen Tag früher, mal einen später. Immer dann, wenn das Frühlings-Äquinoktium ansteht. Es markiert die erste Tagundnachtgleiche des Jahres.
Einer Legende nach hat die Göttin Ostara ein Ei an ihrer Brust getragen und es gewärmt. Als das Ei reif war, brach es auf. Und aus ihm kam die ganze Welt mit Tieren, Pflanzen, mit Land, Wasser und den Menschen.
Das Jahreskreisfest Ostara steht für Fruchtbarkeit und neues Leben. Die Tage werden länger, Dunkelheit und Kälte weichen zurück – der Kreislauf des Lebens beginnt neu.
Auch für uns kann Ostara einen Zeichen sein, neu zu beginnen. Kleine Rituale, wie das Verräuchern bestimmter Kräuter zur Reinigung, das Entzünden einer Kerze als Symbol für das wiederkehrende Licht oder das Ausbringen erster Samen, lassen uns wieder bewusst werden, dass der Frühling nicht nur freie Tage zu Ostern bietet, sondern eine Zeit des Aufbruchs ist.
Mabon – magischer Moment des Gleichgewichts
Mabon könnte man als Gegenspieler von Ostara betrachten. Er wird um den 23. September begangen und markiert die Tagundnachtgleiche des Herbstes. Einen Moment lang ist alles in Balance – Tag und Nacht exakt gleich lang. Und genau darum geht es zu Mabon.
Der Legende nach ist Mabon der Sohn der Göttin Modron, der Muttergottheit – auch als Erdmutter verehrt. Sein Vater ist Mellt, der Blitz, der die Erde befruchtet. Diese beiden zeugen das „göttliche Kind“, Mabon. Auch genannt „Sohn des Lichtes“. Damit steht er für die Fülle der Ernte und die Ausgewogenheit von Licht und Dunkelheit.
Dankbarkeit ist auch ein Stichwort, denn Mabon ist auch ein Erntedankfest. Man dankte der Natur für ihre Gaben und machte sich bewusst, dass der Abschied von der Fülle des Sommers gekommen ist und die dunklere Jahreszeit beginnt.
Diese zwei Seiten erinnern uns daran, dass es das Universum aus Gegensätzen besteht. Licht und Dunkel, Geburt und Tod, Aufbruch und Rückzug. Und zu Mabon genießen wir den magischen Moment des Gleichgewichts.
Als kleines Ritual kann man darüber nachdenken, wofür man dankbar ist und was man sich noch wünscht. Was man loslassen will, was bleiben darf. Wenn die Natur Ballast abwirft und nur auf das Wesentliche bewahrt, können wir das auch.
Samhain – das Fest
der Ahnen
Für die Kelten endete das Jahr mit Samhain. In der Nacht vom 31.Oktober auf den 1.November feierten sie ihr Neujahrsfest.
Der Legende nach, sind in dieser Nacht die Schleier zwischen der Welt der Lebenden und der Toten besonders dünn sind. Die Seelen der Ahnen können ins Diesseits kommen und ihren Nachfahren besuchen. Ihnen zollt man Respekt. Dadurch wird den Lebenden nicht nur der Zyklus von Leben und Tod besonders deutlich, man begreift auch die Endlichkeit des eigenen Seins.
In verschiedenen Kulturen kommt man in dieser Zeit des Jahres auch heute noch zusammen, erzählt von denen, die gegangen sind und hält so die Erinnerung an die Vorfahren wach.
Als kleines Ritual kann man sich einen Moment nehmen und Rückschau halten. Was haben meine Ahnen mir hinterlassen? Welche Stärken und welche Lasten haben sie mir vererbt? Was sind meine Wurzeln und was macht mich zu dem, der ich bin?
Mit Samhain, dem Fest der Ahnen, geht man in die Zeit der Dunkelheit. Aber in den Wissen, dass das Licht zurückkehrt.
Nimm Dir einen Moment Zeit
Die Jahreskreisfeste geben uns die Möglichkeit, wieder in den Rhythmus der Natur zu kommen. Unser Körper kennt ihn ganz genau. Jetzt muss nur noch der Geist folgen.
In der Pommernstube-Kreativwerkstatt zelebrieren wir einige der Jahreskreisfeste und laden jeden ein, sie mit uns zu begehen.
