Papier - aus dem Vollen schöpfen
Papier ist für uns allgegenwärtig. Absolut selbstverständlich nehmen wir ein Blatt für Notizen, lyrische Worte, Briefe oder wissenschaftliche Abhandlungen und hinterlassen wichtige Informationen, liebevolle Grüße und spannende Geschichten. Doch bis hierhin hat es Jahrtausende gebraucht.
Ein langer und steiniger Weg
Im wahrsten Sinne des Wortes, denn die ersten Aufzeichnungen der Menschheit finden wir als Höhlenmalerei auf Felswänden. Später wurden Zeichen in Stein gemeißelt oder in Ton geritzt, was nicht nur schweißtreibend, sondern auch unhandlich war.
Doch dann kam der Papyrus. Dieser Pflanze verdanken wir nicht nur die ersten leichteren Varianten von Schreibunterlagen, sondern auch den Namen „Papier“. Vor 5.000 Jahren stellten sie Ägypter aus den Fasern der Papyrus-Staude papierähnliche Schriftrollen her. Doch dann gab es einen Exportstopp für Papyrus in Richtung des heutigen Europas.
Also kam Pergament ins Spiel. Vor ungefähr 4.000 Jahren. Wohl aus Pergamon überliefert, wurde Pergament aus gebeizten und geglätteten Tierhäuten von Schafen, Ziegen oder Rindern gefertigt. Das war zwar ein Fortschritt aber auch nichts für die Ewigkeit. Wenn man bedenkt, dass für eine einzige Bibel hunderte oder sogar tausende Tiere ihr Leben lassen mussten.
Dann, endlich, vor knapp 2.000 Jahren gibt es das erste Papier.
Eine besondere Geschichte der Schöpfung
Zugeschrieben wird diese Erfindung einem chinesischen Hofbeamten mit dem Namen Tsai Lun.
Ob er die Lorbeeren tatsächlich verdient, ist nicht ganz klar. Aber zumindest stammen von ihm die ersten überlieferten Aufzeichnungen der Papierherstellung. Pflanzenfasern, ein Gemisch aus Wasser und Fusselbrei, der bei der Seidengewinnung übrig blieb – und schon ging alles in die richtige Richtung.
Die erste Technik war ein Gießverfahren. Man goss dünnflüssigen Faserbrei durch eine Art Sieb – einen Holzrahmen, der mit grobem Gewebe bespannt war. Das war nicht besonders effektiv, weil man den Holzrahmen erst wieder benutzen konnte, wenn das Papier getrocknet war. Durch die Umstellung auf das Schöpfen der Fasern aus der Flüssigkeit, wurde die Papierherstellung schneller und einfacher.
Vom teuren Vergnügen zum Alltagsbegleiter
Egal ob Papyrus, Pergament oder geschöpftes Papier – jeder Bogen war wegen der Rohstoffe und der langwierigen Herstellung enorm kostspielig. Also nichts für den Durchschnittsbürger. Außerdem gingen den Papiermachern nach und nach die Stoffreste und Lumpen aus.
Doch dann brachte ein Sachse die nächste revolutionäre Veränderung ins Rollen. Webermeister Friedrich Gottlob Keller erfand 1843 den Holzschliff. Mit diesem feinen Material konnte auf die bisherigen teuren Rohstoffe verzichtet und Papier aus preiswertem Holz hergestellt werden. Lumpen oder Stoffreste wurden nur noch in kleinen Mengen wegen der Festigkeit hinzugefügt.
Und zurück zum individuellen Bogen
Obwohl Papier durch die Verfeinerung der Technik inzwischen tonnenweise hergestellt wird – in Deutschland jährlich etwa 20 Millionen Tonnen – erfreuen sich auch handgeschöpfte Bögen einer steigenden Beliebtheit. Mit dieser alten Handwerkstechnik kann das Papier mit Farben, Blüten oder Düften verfeinert werden. Es wird unverwechselbar und einzigartig.
Und ganz nebenbei bleibt altes Wissen erhalten.
PS: In der Pommernstube-Kreativwerkstatt könnt Ihr diese alte Technik lernen.
