Rauhnächte – Zeit zwischen den Jahren

Sabine Kühn

Diese Redewendung benutzen wir immer noch. Für die meisten ist die Spanne zwischen Weihnachten und Silvester die „Zeit zwischen den Jahren“. Diese Bezeichnung gibt es schon seit tausenden von Jahren.


Die Sonne vertreibt den Mond

Damals, also vor langer, langer Zeit, ging man vom Mondkalender auf den Sonnenkalender über. Weil das Mondjahr aber nur 354 Tage hat und das Sonnenjahr 365, hatte man plötzlich elf Tage und 12 Nächte „zu viel“. Das wurde die Zeit „zwischen den Jahren“.

Diese „übriggebliebene“ Zeit galt seit jeher als besonders magisch.

Jede Rauhnacht symbolisiert einen Monat

Die Zeit der Rauhnächte beginnt am 25.Dezember und endet am 6.Januar.

Dabei soll jeder der zwölf Nächte für einen der kommenden Monate stehen. Die erste für den Januar, die zweite für den Februar und so weiter.

Was man in der jeweiligen Nacht träumte, galt früher als ein Omen für den dazugehörigen Monat des neuen Jahres. Aus diesem Grund führen auch heute noch viele Menschen in dieser Zeit ein Traumtagebuch und versuchen die Botschaften ihrer Träume zu entschlüsseln.

Magische Düfte für besondere Energie

Ein zentrales Ritual der Rauhnächte ist das Räuchern mit Kräutern. Darum nannte man sie früher auch Rauchnächte.

Mit dem Verräuchern spezieller Räuchermischungen wurden die Räume des Hauses energetisch gereinigt, Böses vertrieben und der Segen für das neue Jahr erbeten. Auch heute folgen Menschen diesem wichtigen Brauch. Dabei wird jedem Kraut eine eigene Kraft zugeschrieben. Der reinigende Rauch von Salbei zum Beispiel soll schlechte Energien vertreiben und für Klarheit sorgen. Beifuß soll beruhigend wirken und die Sinne öffnen. Rosmarin wiederum den Willen stärken und die Konzentration fördern.

Wunschritual und die magische 13

Neben dem Kräuterräuchern ist ein weiterer Brauch verbreitet: das Wunschritual.

Noch vor den Rauhnächten werden 13 Wünsche formuliert. Als Zeitpunkt eignet sich Samhain – das keltische Neujahrsfest. Denn auch der Nacht vom 31.Oktober auf den 1.November wird eine besondere Magie zugeschrieben.

Diese Wünsche werden auf 13 kleine Zettel geschrieben und dann so gefaltet, dass man die Worte nicht mehr lesen kann. Man legt die Zettel jetzt in eine Schale und mischt sie ein wenig durch.

Das eigentliche Ritual beginnt dann in der ersten Rauhnacht. Man zieht einen der Zettel und verbrennt den Wunsch, ohne ihn vorher zu lesen und vertraut darauf, dass er sich erfüllen wird. So verfährt man weiter, bis nur noch der 13.Wunsch übrig ist. Diesen liest man, nimmt ihn dadurch an und muss nun selbst dafür sorgen, dass er sich erfüllt.

Ob mit Ritual oder ohne – die Zeit zu nutzen, um Rückschau zu halten und Hoffnungen für das neue Jahr zu formulieren, bereitet einfach auf den Neubeginn vor.

PS: Auch in der Pommernstube-Kreativwerkstatt begehen wir eine der Rauhnächte. Und weihen Euch dabei in diese und andere Bräuche ein.


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